Frankfurter Hauptfriedhof:  Neue Gruften, neue Aufbauten
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Besucher wundern die neuen Gruftaufbauten im "alten" historischen Teil des Hauptfriedhofs.
Die Dame nimmt erschrocken beide Hände vor ihr Gesicht, als sie das einem Funktionsbau ähnelten Gebäude als Grabstätte erkennt. Das vom Wortsinn her als Mausoleum (Ein Mausoleum ist ein monumentales Grabmal in Gebäudeform) zu bezeichnendes Gebäude fällt auf und hebt sich ab von den rund 900 erhaltenswerten, denkmalgeschützten Grabstätten.
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Immer wieder Richtungswechsel ihres Blickes, links, rechts, das Dach, der Zaun, die Fenster - sie kann es nicht begreifen, was die Planer und Verantwortlichen diesem Standort zumuten.

Rechts neben dem neuen Mausoleums-Gebäude
das 1927 von Bildhauer Prof. Friedrich Christoph Hausmann (1860-1936) geschaffene Grabmal für den Ehrenbürger Leo Gans (1843-1935), einem deutschen Chemiker und Industriellen mit Verdiensten als Mäzen und Förderer von Wissenschaft und Kultur in Frankfurt am Main, sowie Vorsitzender des Städelschen Museumsvereins.

02 Dem unpassenden Mausoleums-Neubau schräg gegenüber liegt die Gedenkstätte vom Industrieellen Arthur von Weinberg (1860-1943), Dr. med. h.c., Ehrenbürger und Stifter, sowie Ehrensenator der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er war Teilhaber der Cassella Farbwerke Mainkur, Aufsichts- und Verwaltungsratsmitglied der I.G. Farbenindustrie AG.
Arthur von Weinberg gehörte 1914 zu den Stiftern der Universität Frankfurt.
Die Grabanlage ist ein Meisterwerk des Architekten Hermann Senf (1878-1979) aus dem Jahr 1922.
03 Aufgebrachte Ornamente auf der weißen Haustür (Normgröße Eigenheim), zeigen den Wunsch auf, dem Anlass Trauer und Totenverehrung gerecht werden zu wollen, eine besondere Bedeutung zu geben.
So sehr ist unser Beobachten von dem geprägt, was wir sehen und was das Gedächtnis vervollkommt, so dass linksseitig zwischen der Haustür und dem Lichtschacht aus Glasbausteinen eine Leere auffällt, die sonst eine Klingel oder Namensschild füllt.

Namenlos - also ohne erkennbaren Hinweis, wer dort beigesetzt ist - steht auf der Gruft das kleine Häuschen unübersehbar eingezäunt, aber einsam am Weg, der in Richtung Südteil des Friedhofs führt.
Einsam deswegen, weil es sich nicht so recht einpassen will in die traditionellen Friedhofskultur mit seinen vielen von Künstlern geschaffenen Grabmalen und teils sehr aufwendig gestalteten Grabanlagen.
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In § 27 der Friedhofsordnung der Stadt Frankfurt am Main vom 20. Juli 2010 ist der Allgemeiner Gestaltungsgrundsatz festgeschrieben:
"Jede Grabstätte ist so zu gestalten und an die Umgebung anzupassen, dass die Würde des Friedhofs in seinen einzelnen Teilen und in seiner Gesamtanlage gewahrt wird."

Das bisher namenlose Mausoleum neuerer Bauart ist aber nicht das einzige, mit dem sich der Friedhof neuerdings schmückt. Am Neuen Portal, linksseitig der großen begrünten Freifläche steht seit 2011 ein auffallendes, farbenfrohes Gebäude ähnlicher Bauart.

Hoffentlich wurden die im Vorhof verwendeten Platten nicht aus Kinderarbeit östlicher Staaten gewonnen.
Der Gedankenaustausch über den Standort solcher Bauwerke im alten, kulturhistorischen Teil des Hauptfriedhofs endet nicht mit dem Verlassen des Areals. Aus dem benachbarten Café zitiere ich hier Äußerungen Frankfurter Bürger mittleren Alters:
"Dene Kepp von der Verwaltung fehlts am Mitgefiel, sonst dete se so was net abnicke."
Seine Frau erwidert emotional: "..die im Römer hätten das verhindern müssen!"
Und vom Nebentisch mischt sich ein Gast in Trauerkleidung ein und sagt in unserem regionalen Dialekt:
"Dene is doch unser Frankfort egal. Die kannste doch net mer wähle."

Weiter Ansichten der neuen Mausoleumsbauten
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Kritische Bürger sollen gemaßregelt werden (Leserzuschrift FNP vom 19.10.2011)
05   Zu "So bunt kann der Tod sein": Die Stellungnahme der Stadtverwaltung zur Bürgerkritik an der Entwicklung des Frankfurter Hautfriedhofes ist ebenso schlicht wie bösartig. Seit wann ist es in Frankfurt üblich, kritischen Bürger zu maßregeln? Ein Mitarbeiter aus der Friedhofsabteilung moniert, dass "Bürger im Stillen murren, anstatt sich zu erkundigen und den Dialog mit dem Amt zu suchen". Herr Thomas Linne, Abteilungsleiter, hat wohl vergessen, dass die Meinungsfreiheit grundsätzlich garantiert ist. Außerdem verkehrt er die Bürgerbeteiligung ins Gegenteil. Denn es wäre seine Aufgabe gewesen, vor der Errichtung der Gebäude-Fremdkörper, die Angehörigen der Verstorbenen anzusprechen und zu beteiligen, die in unmittelbarer Nähe bestattet sind. Dazu gehört im Übrigen auch der Magistrat, der zuständig ist für die nachbarlichen städtischen Ehrengräber. Jetzt den Dialog mit dem Friedhofsamt einzufordern, ist völlig sinnfrei. Die Gebäude stehen, und keiner kann jetzt wollen, dass sie beseitigt werden. Die Friedhofsabteilung hat das Recht, wenn sie auf die neue Friedhofsordnung hinweist. Danach sind u. a. Grabstätten "an die Umgebung anzupassen". Die Frage ist nur, weshalb hat sie gegen diese Vorschrift selbst verstoßen? Denn vor der Errichtung der Mausoleen waren weit und breit keine ähnlichen Gebäude vorhanden.

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