Frankfurter Hauptfriedhof: Gemeinschaftsgrabstätte AIDS-Hilfe Frankfurt e.V.
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Gemeinschaftsgrabstätte für Menschen mit HIV und AIDS

Gewann F 465u

Grabstätte im Gewann F, 465u

Die auf einer leichten Anhöhe gelegene Grabstelle im Gewann F wurde ursprünglich von der Famile Dumcke genutzt.
Das Foto links zeigt noch die Grabplatte vom Frankfurter Versicherungs-Generaldirektors Paul Dumcke 16.5.1859-14.2.1929, dessen Sohn Ernst Dumcke (1887-1940) sich als deutscher Schauspieler einen Namen machte.
Die 1929 errichte Grabstätte, mit in der Mitte einer Stele aus Muschelkalk, wurde 2008 in Patenschaft übernommen und als Gemeinschaftsgrabstätte für HIV-Infizierte und Aidskranke eingerichtet.

"An AIDS wird immer noch gestorben. Seit mehr als 27 Jahren ist das schon so. Seit dem beklagen wir den Verlust von Menschenleben, von Liebes- und Lebenspartnern, von Freunden, von Angehörigen, von Bekannten. Oft sind wir sprachlos und untröstlich über das viel zu frühe und immer unpassende Sterben." So die Worte bei der Rede zur Graberöffnung von Christian Setzepfandt, Vorstand der Aids-Hilfe Frankfurt e.V., im Juni 2008.


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Die Grabstätte ist als historisches und erhaltenswertes Grabmal im Rahmen einer Gräberpatenschaft durch die AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. übernommen worden. Dabei handelt es sich um eine 1929 errichtete Grabstätte, die auf einem Hügel im alten Teil des Hauptfriedhofes zu finden ist und für 100 Verstorbene als Urnengemeinschaftsgrab genutzt werden kann.
Bei der Grabstätte handelt es sich um ein Eckgrundstück, das auf zwei Seiten von einer alten Friedhofsmauer (rote Sandsteinquader) gefasst wird. Die restlichen beiden Seiten werden zur Hälfte durch das Nachbargrab und einen mit Verbundsteinpflaster belegten Weg und auf der vierten Seite ebenfalls durch einen Weg und einen Grünstreifen begrenzt.
Die Grabstätte ist die letzte in einer langen Reihe und schließt diese ab.
Zwei Zugangswege mit Stufen führen zu diesem ca. 50 qm großen Terrain.

Auf der Grabstätte befindet sich zentral eine 2.70 Meter hohe Muschelkalksäule, die auf einem quadratischen Betonfundament in der Mitte der Anlage steht. Die Muschelkalksäule wird oben durch einen in den Stein eingearbeiteten umlaufenden Sinnspruch (DIE LIEBE HÖRET NIMMER AUF) begrenzt. Im unteren Drittel der Säule ist ein plastisches Figurenrelief herausgearbeitet (antikisierende Figuren).
Ansonsten existieren auf der Säule keine Inschriften.
An jeder Seite des Fundamentes befinden sich eine Grabkammer (insgesamt vier Stück), die zur Bestattung von Urnen dienen. Die Kammerwände und der Boden bestehen aus Beton, die Kammern sind mit Muschelkalkplatten abgedeckt. Eine der Abdeckplatten aus Muschelkalk enthält die Initialen des ehemals dort beigesetzten Verstorbenen:
P.D. für Paul Dumcke sowie das Geburts- und Sterbedatum.
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In einer begrenzten Ausschreibung bat die AIDS-Hilfe Frankfurt vier unterschiedliche Professionen - ein Büro für Landschaftsarchitektur, ein Architekturbüro, einen eher handwerklich fundierten Steinmetz und Bildhauer, sowie einen Bildhauer -  um Entwürfe zu einer Neugestaltung der Grabfläche unter Einbeziehung der bestehenden und unter Berücksichtigung der neuen Nutzungsanforderung.
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Zum Siegerentwurf wurde die Arbeit von Helmut Hirte,
Bildhauer aus Aschaffenburg, gewählt.
Dieser Entwurf respektiert die vorhandene Architektur und fügt drei neue Elemente hinzu.

Erstens:
eine Namensskulptur in Forme einer Wand aus 100 drehbar aufgehängten würfelförmigen Juramarmorblöcken, deren eine Seite mit dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten versehen werden, und deren weitere Flächen eine individuelle Bearbeitung zulassen, wie zum Beispiel Beschriftung oder Bemalung.

Zweitens:
eine Stele aus Juramarmor, die am Kopfende einer ca. 1,80 Meter langen und 50 cm breiten Bodenplatte aus rostfarbenem Stahl (Cortenstahl) steht und fast wie eine eigene Erdgrabstätte ausschaut. Auf der Stele kann die Urne des Verstobenen aufgestellt werden.
Dabei wird ebenfalls aus Muschelkalk eine Art Seelenstuhl stehen.
Dieses Ensemble dient der eigentlichen Abschieds- und Beisetzungszeremonie auf dem Grab.

Drittens:
eine Bank aus Muschelkalk, die Angehörigen und Hinterbliebenen die Möglichkeit einräumt, auf der Grabstätte Platz zu nehmen und der Toten zu gedenken.
Eingerahmt wird die Grabstätte von einer Hecke aus Ölweiden.
Auf der Grabfläche selbst kommen verschiedene Pflanzen zum Einsatz.
Die bereits bestehenden Grabkammern werden so umgebaut, dass zukünftig 100 Urnen einen sicheren Platz finden.
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