Grabstätte nicht auf dem Frankfurter Hauptfriedhof
 Zum Gewann XIV (römisch 14)  

Johann Christian Senckenberg (28.02.1702 - 15.11.1772) 

 

Johann Christian Senckenberg (1702-1772) Johann Christian Senckenberg (28.02.1702 - 15.11.1772)
Arzt und Stifter zählt zu den großen Frankfurtern. Für das Gemeinwohl und zur Verbesserung des Gesundheitswesens gründete er 1763 die noch heute aktive "Dr. Senckenberg Stiftung".
Johann Christian wurde am 28.02.1707 in der Frankfurter Hasengasse geboren und hat fast sein ganzes Leben in der Reichsstadt verbracht. Der Arztsohn promovierte 1737 mit einer Arbeit über die Heilkraft des Maiglöckchens zum Docktor der Medizin. In seiner Heimatstadt war er schon bald ein gefragter Arzt. Darüber hinaus engagierte sich Senckenberg als Stadtarzt im Frankfurter Sanitätsamt für Reformen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens, fand aber bei den Ratherren kein Gehör.
Für eine bessere medizinische Versorgung der Mitbürger stiftete der kinderlose Witwer 1763 sein gesamtes Vermögen. Am Eschenheimer Tor erwarb der Stifter 1766 ein drei Hektar großes Grundstück, um dort einen "Tempel der Wissenschaft" und ein Hospital für arme kranke Bürger zu errichten.
Die Vollendung der Stiftung, die zur Fortbildung der Ärzte eine Fachbibliothek, ein Labor, einen botanischen Garten, eine naturkundliche Sammlung und einen Anatomie umfaßte, hat der Wohltäter nicht mehr erlebt. Bei der Besichtigung des von ihm gestifteten "Bürgerhospitals" stürzte er am 15. November 1772 von einem Baugerüst zu Tode. Die Grabinschrift feiert Senckenberg als "redlichen Bürger und treuen Arzt".

Die Grabstätte des Johann Christian Senckenberg befindet sich in einem nicht öffentlichen Bereich im alten Teil des Bürgerhospitals, gegenüber des Frankfurter Hauptfriedhofs in der Nibelungenallee. Allerdings ist von der Straße aus die überdachte Grabstätte mit den zwei schmiedeisernen Toren einzusehen.

Grabplatte Senckenberg

Bürgerhospital Bürgerhospital (alter Bauabschnitt) Grabstätte Senckenberg (1702-1772)
Bürgerhospital
neuer Bauabschnitt
Bürgerhospital
alter Bauabschnitt
Grabstätte rechts am
alten Bauabschnitt

Grabplatte von
Johann Christian Senckenberg


Inschrift der Grabplatte (Foto rechts): Conditum hoc in sepulcro terrenum corpus Joannis Christiani Senckenberg Dei miserantis benignitate dum hic viveret. boni civis, medici fidelis, cui terra exilii locus, coelum patria, quam repetiit laetus, cum placide moriendo libertatem assequeretur anno MDCCLXXII. die XV. novem, natus MDCCII. d. XXVIII. Februarii.

Gott dem Allmächtigen zu Ehren. Geborgen in diesem Grabe liegt der irdische Leib des Johann Christian Senckenberg, der in seinem Leben, durch die Güte des barmherzigen Gottes, ein redlicher Bürger und treuer Arzt gewesen ist, dem die Erde ein Ort der Verbannung, der Himmel ein Vaterland ist, dahin er freudig zurückgekehrt ist, als er durch einen friedliche Tod die Freiheit erlangte im Jahre 1772 am 15. Tage des Novembers, geboren 1702 am 28. Tage des Februars.

 

Totenmaske   Familienwappen  
 

Totenmaske, erstellt vom  Bildhauer
Johann Christian Rauschner (1760-1830)

 

Familienwappen Senckenberg

 

Internet-Links:   Quellen:
Bürgerhospital:
www.buergerhospital-frankfurt.de

Ausstellungen und Veranstaltungen:
http://www.senckenberg-jahr.de

Naturmuseum Senckenberg:
http://www.senckenberg.de

Wikipedia-Informationen über Senckenberg

  Foto (Er war`s...) und Text inhaltlich aus Werbedruckschrift zu Ausstellungen und Veranstaltungen zum Senckenberg-Jahr in Frankfurt am Main:
 "300 Jahre Johann Christian Senckenberg"

Fotos Bürgerhospital und Grabstätte:
Harald Fester


Ein wichtiger Zeitzeuge für die Geschichte Frankfurts..

Deckblatt zu Fay`s "Bilder aus dem alten Frankfurt"

..ist die von 1896 bis 1911 entstandene umfangreiche lose
Blattsammlung "Bilder aus dem alten Frankfurt", erschienen in mehr als zwanzig Heften mit mehreren hundert Lichtdrucken
von Carl Friedrich Fay (1853-1918) und Johann Franz Xaver Rittweger (1821-1910).
Es handelt sich hierbei um das umfangreichste veröffentlichte Bildmaterial zu einer historischen Altstadt.
Dargestellt sind Plätze, historische Häuser mit ihren markanten Innenhöfen, Innenraumansichten der Altstadtkirchen sowie Brücken und Stadttore. Ergänzt wird das Bildmaterial durch die informativen und ausführlichen Erläuterungen der jeweiligen Hefte. Carl Friedrich Fay, einem der berühmtesten Fotografen seiner Zeit, gelang es, in einer erstaunlich nüchternen und ungeschönten Art und Weise ein einzigartiges Porträt einer uralten Stadt zu schaffen, von der heute so gut wie nichts mehr zu sehen ist.
Hier drei Beiträge zum Thema Senckenberg vom Autor Franz Rittweger und dem Fotografen Carl Friedrich Fay.

Fay: Bilder aus dem alten Frankfurt

Grabdenkmal Dr. Senckenberg

Dr. Johann Christian Senckenberg hatte schon im Mai 1767 bei dem Kasten-Amt die Bitte eingereicht, man möge ihm gestatten, eine Grabstätte für seinen Leichnam in seiner Stiftung herrichten zu lassen, damit er noch im Tode wenigstens dem Leibe nach bei derselben sein könne.
Laut Senatsbeschluß "...solle man ihm lediglich für seine Person in Rücksicht seiner Stiftung bei diesem Ansuchen willfahren" lautete, ließ er sein Grabmal im botanischen Gärten an der Mauer aufbauen, mit der selbstverfaßten Inschrift versehen, wie sie heute noch zu sehen ist. Es ist ein kapellenartiger Bau auf zwei Seiten mit zierlichem Gitterwerk geschlossen.


Fay: Bilder aus dem alten Frankfurt

Die Anatomie

Die Genehmigung zum Bau der Anatomie war Senckenberg bereits 1768 erteilt worden. Der Bau stellt ein Achteck mit zwei Flügeln dar. Der mit hoher Kuppel mit acht Rundbogenfenstern gekrönte Mittelbau zeigte früher die vom Stifter bestimmte Figur des Saturn, aus Eisenblech gemacht mit Sanduhr und Sense, sie wurde im Volksmund der "Sensenmann" genannt und bei der Renovation im Jahre 1853 entfernt.


Fay: Bilder aus dem alten Frankfurt

Das Senckenbergsche Stift

Wenn schon die Stiftstrasse in den jüngst verflossenen Jahren eine sehr große Veränderung gegen ihren früheren Bestand erfahren hat, so wird eine noch eingreifendere in nicht fernen Tagen ihr durch die Hinwegverlegung der Gebäude und Anlagen des Senckenbergianums bereitet werden.
Nach längeren Verhandlungen mit den Senckenbergschen
Stiftungsvorständen hatte der Magistrat im Februar 1903 den Stadtverordneten eine Vorlage zukommen lassen, in welcher gesagt ist: "Die Senckenbergsche Stiftung veräußert ihren gesamten Besitz zwischen Stiftstrasse, Senckenbergstrasse, Brönnerstrasse und Bleichstrasse, 18260 qm groß und errichtet ein neues Kranken- und Pfründnerhaus nebst Räumen für die Administration auf dem früher vorgesehenen Platze au der Nibelungen-Allee.
Für die Senckenbergsche Bibliothek und die übrigen Institute werden Neubauten an der Victoria-Allee, für ein botanisches Institut wird ein Neubau in der Nähe des Palmengartens errichtet. Der Neubau eines anatomischen Instituts wird gemeinsam mit der Stadt auf dem Grundstück des städtischen Krankenhauses errichtet." Gegenüber diesen in Aussicht stehenden Umwandlungen dürfte eine Erinnerung in Wort und Bild an das Alte bald Scheidende neues Interesse erregen.
Wie sich aus Urkunden (um 1428) ergibt, ist die Witwe Gerbrachts von Glauburg, Agnes, die erste nachweisliche Besitzerin eines Teils der heutigen Senckenbergschen Stiftung gewesen.
Später ging die Liegenschaft mit dem ursprünglichen Hause in den Besitz der Familie Uffsteiner über. Nach noch mehrmaligem Besitzwechsel wurde das Stifthaus nebst Gärten von dem Physikus Dr. med. Johann Christian Senckenberg erworben. Der hochgeachtete aber vereinsamte Mann, dem der Tod dreimal die Gattin von der Seite gerissen und sein einziges Kind geraubt hatte, faßte den Gedanken, seine Besitztümer, Barvermögen und Sammlungen dem Wohle seiner Vaterstadt zu widmen und hatte am 18. August 1763 dem Rate der Stadt Frankfurt seinen Haupt-Stiftungsbrief als "seine wohlbedächtliche Willens-Verordnung und unwiderrufliche Stiftung" übergeben, zugleich 95000 Gulden dem Rechnei-Amt überliefert mit dem Vorbehalt davon für seine Lebzeit jährlich 4 Prozent Zinsen zu erhalten. Der Bau des Senckenbergischen Hospitals wurde im Jahre 1770 begonnen.
Am 15. November 1772 hatte der Stifter das Unglück in dem Neubau, durch eine von ihm nicht bemerkte Gebälklücke hinabzustürzen und nach wenigen Stunden vom Tode ereilt zu werden. Der Bau wurde von der eingesetzten Administration weitergeführt und im Jahre 1777 vollendet, so daß im Jahre 1779 die ersten Kranken aufgenommen werden konnten.
Im Jahre 1797 konnte die Administration den großen vormals Kohler'schen Bleichgarten von der Witwe Maria Margarethe Kohler, geb. Schluckebier samt Gebäulichkeiten um den Preis von 36000 Gulden erwerben. Außer der Anatomie und dem ersten Hospitalgebäude, das über der Eingangstüre
in halbkreisförmiger Nische die von dem Bildhauer Datzeroth gearbeitete Gestalt des Erlösers mit offenen Armen birgt und der Inschrift "Salvator mündi salva nos", (Erlöser der Welt erlöse uns.) sowie die Worte "venite ad me omnes" (kommt alle zu mir.) zeigt, ist von den ursprünglichen Bauten nichts mehr vorhanden. An Stelle des alten Stifthauses wurde 1866 nach den Plänen des Architekten Carl Jonas Mylius der neue Bibliothekbau mit der Wohnung des Stiftbotanikers und zwei Hörsälen begonnen. Später entstand das Gebäude des Physikalischen Vereins.