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Der Blog "Meines Erachtens" mit privaten Meinungen und Stellungnahmen zu bewegenden Themen um die Frankfurter Friedhöfe musste wegen Missbrauch geschlossen werden. Trotzdem sind einige Themen mit Ernsthaftigkeit behandelt und als Information bereit gestellt worden. Diesen Themen will dieser Abschnitt dennoch mit seiner Widergabe gerecht werden.
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Tag des Friedhofs 2018
Geschichte und Gedenkkultur am „Tag des Friedhofs“
von Hans Günter Thorwarth
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Als ehrenamtlicher Teilnehmer am diesjährigen „Tag des Friedhofs“, der unter dem Motto „Leben-Lachen-Freude“ stand, bemerkte ich schon während der Vorbereitungen, dass das Friedhofsamt eifrig bemüht war, „ein neues und anderes Publikum“ als sonst in den Hauptfriedhof zu locken. Als „besondere Attraktion“ und „Zugpferd“ wurde diesmal z. B. ein (kommerzieller) „Poetry-Trauer-Slam“ in der Trauerhalle angeboten.

Laut einer Umfrage am Tag des Friedhofs spielt man zukünftig mit dem Gedanken, eine Cafe-Gastronomie und/oder einen Kinder-Spielplatz dauerhaft für die Friedhofsbesucher einzurichten. Da muss man sich nicht wundern, dass weder vor noch nach der Veranstaltung in der Presse über die beiden Themenführungen zum Ehrenmal und Kriegsgräberfeld „100 Jahre Erster Weltkrieg“ berichtet wurde. Sicher hätte es in Frankfurt und Umgebung geschichtsinteressierte Menschen gegeben, die bei entsprechender Information – leider auch nicht im Einladungs-Flyer erwähnt – gekommen wären. Das wäre aber nicht nur für mich wichtig gewesen, da solche Themen-Führungen doch immer einen erheblichen Aufwand an Zeit, Kosten und Vorarbeit bedeuten.

Nicht nur zum „Tag des Friedhofs“, seit Jahren ist ein Trend zu beobachten, den Sinn und Zweck des Friedhofs durch „Spiel und Spaß“ zu verändern. Die „klassischen“ Familiengräber (und Gebühreneinnahmen) werden immer weniger und der Charakter der Friedhöfe verändert sich grundlegend. Nicht nur ältere Alleinstehende, deren Angehörige und Freunde bereits verstorben sind, auch Menschen mit Familie meinen oft, ihren Lieben die Grabpflege nicht mehr „zumuten“ zu können. Da hat die Großmutter über viele Jahre ihre Kinder und Enkel großzügig finanziell unterstützt und mit Geschenken verwöhnt und glaubt aber jetzt nicht daran, dass sich diese in Zukunft um ihr Grab kümmern werden. Nicht nach dem Motto. „Wer erbt muss auch giessen“ bleibt ihr anscheinend nichts anderes übrig, als schweren Herzens das „alte“ Familiengrab zu „kündigen“ oder nicht mehr zu verlängern, in dem schon ihre Eltern und ihr Ehemann bestattet wurden.

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Foto links oben: Flyer vom Tag des Friedhofs 2018
Foto rechts oben: Hans Günter Thorwarth auf dem Hauptfriedhof Frankfurt am Main (Foto: © Thorwarth, 2018)

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me thorwarth 01 300x537   Viele entscheiden sich immer öfter für anonyme Gemeinschaftsgräber, Friedwälder oder Seebestattungen.
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Diese Entwicklung muss man aber bedauern, weil damit ein weiteres Stück unserer Kultur verloren geht. Die Situation auf unseren Friedhöfen ist ein Indikator für den Werteverfall in unserer Gesellschaft. Über Generationen hat es auch zum Leben dazugehört, die Menschen aus der Gemeinschaft rituell zu bestatten und die Toten später noch in Ehren zu halten. Geburt, Taufe, Hochzeit und Beerdigung waren wichtige Anlässe, dass auch die weit verstreuten Familienmitglieder zusammen kamen. In allen Religionen und Kulturen auf der ganzen Welt wird dieses auf verschiedenste Art gepflegt. Gibt es aber für den Einzelnen kein Grab mehr, keinen Stein mit Namen und Daten, so geht auch die Erinnerung an ihn bald verloren. Es gibt damit auch für Menschen, die den Verstorbenen gut gekannt haben, aber nicht zum engsten Familienkreis gehören, keinen Ort des spontanen Besuchs oder des Gedenkens mehr. Dazu kommen die handwerklichen Berufsgruppen, die von der Friedhofskultur leben, wie Gärtner, Floristen und Steinmetze, die dadurch immer weniger werden oder sogar ganz verschwinden.

 

Bei dieser Tendenz des langsamen Wandels der Friedhöfe zu vielseitig genutzten „Erholungsparks“ und anderen Grünflächen sollte aber noch ein weiterer Aspekt berücksichtigt werden: Es befinden sich, gerade auf den historischen Friedhöfen wie dem Hauptfriedhof, nicht nur wunderschöne alte Bäume und Pflanzen, Zierrat aus Bronze und Eisen, Natursteine und Skulpturen, die erhaltenswert wären. Sehr viele, auch der nicht „denkmalgeschützten“ Grabsteine sind oftmals kunsthandwerklich aufwendig gestaltet und tragen somit zum einmaligen Charakter eines Friedhofs bei.

Aber was passiert damit seit Jahren? Die Steine verfallen, wachsen zu, Metallteile verrosten oder werden gestohlen und die Gräber werden nach Ablauf der Liegezeit abgeräumt. Wenn es sich nicht um ein vom Magistrat beschlossenes „Ehren-“ oder „Persönlichkeitsgrab“ handelt und sich ein „Pate“ für die ehrenamtliche Pflege findet, ist dieses für alle Zeit unwiederbringlich verloren.

 

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Hinzu kommen die geschichtlich interessanten Kriegerdenkmäler, Inschriften auf Gedenktafeln, die oftmals nach dem Zweiten Weltkrieg von öffentlichen Plätzen auf die Friedhöfe „verbannt“ wurden. Zusammen mit den Ehrenmälern und Kriegsgräberanlagen für Soldaten, zivilen Bombenopfern und Zwangsarbeitern, die laut Kriegsgräbergesetz dauerhaftes Liegerecht genießen, stellen diese „steinerne Zeugen“ der Geschichte dar. So gibt es außer seltenen, vereinzelten „Veteranengräbern“ einige nur noch auf manchen Friedhöfen erhaltene „Napoleonsteine“ und Denkmäler zum Deutsch-Französischen Krieg und auf dem Frankfurter Hauptfriedhof sogar noch zwei Gedenksteine zu den Volksaufständen von 1848.

 


(Foto links: Denkmal-Kreuz für russische und serbische Kriegsopfer, 2018)

 

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Man kann ohne Übertreibung sagen, dass auf den Friedhöfen „steinerne Geschichtsbücher“ stehen, die für die Lebenden von großer Bedeutung sind. All das sind wertvolle Kulturdenkmäler, die es unbedingt zu erhalten gilt. Hier muss möglichst bald ein Umdenken in unserer Gesellschaft eintreten, bevor es vollkommen zu spät ist. Das Friedhofsamt kann die hohen Kosten für die Pflege mangels Gebühren-Einnahmen wegen der anfangs beschriebenen Entwicklung nicht alleine stemmen. Es bedarf weiterer privater und öffentlicher Geldgeber, wie z. B. dem Kultur- oder dem Denkmalamt.

Nicht nur für den Neubau von Museen oder subventionierte Theater und Opern sollten ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Dass es ein öffentliches Interesse, gerade an alten Friedhöfen gibt, zeigen die zahlreichen Teilnehmer bei historischen Führungen, nicht nur am „Tag es offenen Denkmals“ oder am „Tag des Friedhofs“. Durch das Aufstellen von dezenten Hinweistafeln könnten auf diese Weise die Besucher mancher „Friedhofsparks“ nicht nur spazieren und sich erholen, sondern ähnlich wie in einem „Freilicht-Museum“, etwas über die Geschichte lernen. Ganz im Sinne und frei nach dem Spruch von Heinrich Heine: „Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.“

 

Lesen Sie hier die Beiträge des Autors:

1. "Frankfurt am Main, Hauptfriedhof (Deutsche Kriegsgräber 1. Weltkrieg), Hessen" mit Namen u. Daten Gefallener.
2. "Frankfurt am Main, Hauptfriedhof (1. Weltkrieg, Ausländer Westeuropa), Hessen" mit Namen u. Daten Gefallener.
3. "Frankfurt am Main, Hauptfriedhof (1. Weltkrieg, Ausländer Osteuropa) Hessen" mit Namen u. Daten Gefallener.

 

© Fester, 2021

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Dr. Hans-Joachim Wissfeld (17.04.1920 - 17.11.2013)
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Nachruf:
Dr. Hans-Joachim Wissfeld habe ich als sehr gebildeten Menschen kennen gelernt, der sich auf dem Hauptfriedhof um so manche, vergessene Grabstätte persönlich bemühte. Weiter unten, als Beispiel, ein Schreiben aus dem Jahr 2002 an das Grünflächenamt Frankfurt am Main, Herrn Bührmann, indem er seine "traurigen Feststellungen" vom Hauptfriedhof kunt tut und um Abhilfemöglichkeiten anfragt. Die letzten Jahre seines Lebens begegneten wir uns öfters zufällig auf dem Friedhof oder nach Verabredung zum Nachmittags-Kaffee in Bornheim in der Wehrheimerstraße. Ich schätzte seine Begabung der lateinischen Sprache, die zu so mancher Lösung meiner Recherchen in Sachen Friedhof wurde. "Jo" Wissfeld - wie er sich gerne Freunden gegenüber nannte - begeisterte die Technik und das Fotografieren. Musikalisch, also am Klavier und an der Orgel war er gut ausgebildet. Er beherrschte das Spiel auf den Tasten bewundernswert. Sein musikalisches Können ging sogar so weit, daß er in der Bornheimer Johanniskirche - so erzähle er mir - bei Ausfall des Organisten - als Ersatz gebucht wurde. Sein geliebtes Auto, ein betagter Citroen DS, mußte er leider im hohen Alter in der Garage stehen lassen, da tragischen Umstände ihn zu seinem großen Leidwesen dazu verpflichteten. Beim Fotografieren setzte er auf die Leica und die analoge Technik. Doch zur Jahrtausendwende ließ er sich von der digitalen Technik begeistern und begann mit Computer, E-Mail und dem digitalen Fotografieren, wo ich ihm - im Gegenzug zu lateinischen Übersetzungen - ebenfalls eine Hilfe sein konnte. Der Freitod seines Sohnes Claus war 2007 ein Wendepunkt im Leben vom Ehepaar Wissfeld aus Bornheim. Seine Frau Ursula litt enorm unter diesem Verlust und veränderte ihre Lebensgewohnheiten so weit, bis ihr Körper schlußendlich 2008 aufgab. Auch dieser Verlust war von "Jo" Wissfeld kaum zu bewältigen. Das weltliche Interesse war nicht mehr so ausgeprägt wie früher, was ich bei Einladungen zum Kaffee feststellen konnte. Zwar spielte er seine täglichen Übungen am Klavier, aber so richtig freuen konnte er sich nicht mehr. Ich habe "Jo" Wissfeld leider viel zu spät kennengelernt und sein Tod im November 2013 hat mich sehr bewegt. Die Erinnerungen an diesen Menschen und die gewinnbringenden und schönen Gespäche lassen mich leidvoll zurück schauen.
Harald Fester
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Rechts:

Die Grabstätte Familie Wissfeld auf dem
Bornheimer Friedhof, Gewann F 74

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Dr. Hans-Joachim Wissfeld (17.04.1920 - 17.11.2013) lebte in Frankfurt am Main, Bornheim.
Ehefrau: Ursula Wissfeld (13.10.1922 - 12.10.2008)

Sohn:
Dr. med. Claus Wissfeld Facharzt für Allgemeinmedizin (17.10.1943 - 06.08.2007), der gemeinsame Sohn der Eheleute Wissfeld, nahm sich am 06.08.2007 das Leben.  Stellungnahme eines Piloten vom 08.11.2007: ...er hat sich während des laufenden Betriebes mit seiner Jagtflinte erschossen. Ein Pilot unserer Firma saß bei Dr. Claus Wissfeld an diesem Tag im Wartezimmer. Die Arzthelferin ging nur kurz aus dem Zimmer...da ertönte der Schuß...

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Links:

Das Ehepaar
Dr. Hans-Joachim Wissfeld (17.04.1920 - 17.11.2013)
und
Ursula Wissfeld (13.10.1922 - 12.10.2008)
lebte in Frankfurt am Main, Bornheim in der Wehrheimerstraße  

Der Briefkopf von Dr. Hans-Joachim Wissfeld weist auf die ärztliche Spezialisierung hin:


FLIEGERÄRZTLICHE UNTERSUCHUNGSSTELLE FRANKFURT AM MAIN
LEITENDER ARZT: DR. MED HANS-JOACHIM WISSFELD

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Für den Frankfurter Hauptfriedhof Frankfurt am Main hat sich Herr Dr. Wissfeld zu Lebzeiten immer eingesetzt.

Links:

Ein Schreiben (Dokument als PDF) an die Friedhofsverwaltung aus dem Jahr 2002

Oben, ein Schreiben aus dem Jahr 2002 an das Grünflächenamt Frankfurt am Main, Herrn Bührmann, indem er seine "traurigen Feststellungen" vom Hauptfriedhof kunt tut und um Abhilfemöglichkeiten anfragt. 

btn info gruen 25 Lesen Sie hier zu seinem Engagement, der Zusammenstellung einer Liste von beigesetzten Ärzten auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. 

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© Fester, 2020

 

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