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Mord an Hermann Lichtenstein 4/4  

 

Reaktionen

Monika Fey schreibt am 08.02.2005: Hallo Herr Fester,
vielen lieben Dank für Ihre Mail. Ich bin begeistert, was Sie alles herausgefunden haben und habe alles mit großem Interesse gelesen. Im Übrigen ist auch der Rest ihrer Internetseite ein Genuss!! Es freut mich, dass Sie noch an mich gedacht haben!
Nochmals vielen Dank für Ihre Mühen. Einen lieben Gruß aus Rodgau. Monika Fey

Günter Moos schickt am 08.02.2005
ein Fax: "Ein Presseartikel der Frankfurter Neue Presse, vom 21.02.1979
Der Raubmord auf der Zeil bei Lichtenstein..."
Das Fax habe ich abgetippt und mit "Was berichtet die Presse?" hier bereit gestellt. Danke an Herrn Günter Moos

Nikola Hahn schreibt in ihrer Website
am 09.02.2005: "...Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich bekomme sehr viele Reaktionen auf meine Romane, und manche davon lösen interessante Entwicklungen aus - so auch die Anfrage einer Leserin an die Website "Frankfurter Hauptfriedhof". Harald Fester, der Webmaster der Site, setzte alles daran, die Frage der Leserin zu beantworten, und die Suche nach dem verlorenen Grab ist so spannend, daß ich sie Ihnen nachfolgend in Auszügen präsentieren möchte..."

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Was berichtet die Presse?

Frankfurter Neue Presse, Mittwoch, 21. Februar 1979
Der Raubmord auf der Zeil bei Lichtenstein - Es geschah vor 75 Jahren - Bericht von Wilhelm Jung
"Auf der Zeil bei Lichtenstein brachen Groß und Stafforst ein!" So sang man 1904 in Frankfurt auf die damals gängige Operetten-Melodie "Küssen ist keine Sünd". In Frankfurt war ein Mord geschehen! Die ganze Bevölkerung war in Erregung. Am 26. Februar 1904, einem Samstagmittag, gegen ein Uhr wurde der 52jährige Klavierhändler Hermann Lichtenstein in seinem direkt neben der Katharinenkirche Zeil 69 gelegenen Geschäftslokal ermordet und beraubt aufgefunden. Es war ein sorgfältig geplanter Mord. Am 20. Februar trafen sich in Frankfurt zufällig die beiden Ganoven Groß und Stafforst, die sich von einer drei Jahre zuvor in Leipzig begangenen Straftat (Falschgeldvertreibung) her kannten. Dem 25jährigen Friedrich Stafforst ging es schlecht. Er hatte bereits seinen Mantel im Pfandhaus versetzt. Groß lebte unangemeldet in Frankfurt, hatte vorübergehend beim Möbeltransporteur Schrimpf gearbeitet und einige Male bei Lichtenstein Klaviere abgeholt. So kannte er dessen Geschäftsräume und Gewohnheiten.

DER PLAN
Darauf fußte sein Plan. Er wollte als Klaviervermittler auftreten für einen Offenbacher Gastwirt, den Stafforst mimen sollte. Wenn nach Auswahl eines bestimmten Instrumentes Lichtenstein sich anschickte, es vorzuspielen, sollte Stafforst ihm Tabakstaub oder Pfeffer in die Augen blasen, dann Groß auf ihn mit der Pistole feuern. Am nächsten Vormittag kauften sie im Spezialgeschäft Schlele Tabakstaub und begaben sich in das Geschäftshaus Zeil 69. Im Erdgeschoß war damals die Buchhandlung Auffarth sowie eine Lederwarenhandlung. Die Klavierhandlung belegte den ersten Stock. Als Gastwirt Schumann aus Offenbach stellte Groß seinen Komplizen vor. Man ging zur Klavierbesichtigung in die hinteren Räume. Aber der ängstliche Stafforst führte die ihm zugewiesene Aufgabe nicht aus. Sein Kumpan zwang ihn unter Androhung von Erschießen zu weiterem Einsatz. Noch zwei mal in der gleichen Woche versuchten sie vergeblich den Raubmord. Jedesmal hindern sie im Treppenhaus erscheinende Passanten und Besucher an der Ausführung. Zur Vermeidung des Schußknalls änderte deshalb Groß seinen Mordplan und besorgte sich einen Strick mit Gewichtstein.

DER 26. FEBRUAR
So kam der verhängnisvolle 26. Februar 1904. Wie immer erschien auch an diesem Samstag Hermann Lichtenstein pünktlich um 8 Uhr morgens in seinem Büro, gut gelaunt, denn es war sein 20. Verlobungstag, den er nach Geschäftsschluß mit seiner Frau und den vier Kindern begehen wollte. Von einem Blumengeschäft ließ er einen Strauß roter Nelken in seine Wohnung schicken. Um 12 Uhr verließ sein Bote Anton Schick das Büro zur Mittagspause.
Kurz darauf kam eine Frau Erdbrügge, um ein Klavier zu mieten. Dann meldete sich telefonisch der Pianist Ernesto Consolo aus Lugano, der in Frankfurt für ein Konzert einen Leihflügel brauchte, zu einem Besuch in einer Viertelstunde an. Und anschließend erschienen die beiden Verbrecher. Wieder ging man gemeinsam in den hinteren Raum. Lichtenstein setzte sich an ein Piano, intonierte eine Melodie. In diesem Augenblick schlug ihm Stafforst den Gewichtstein auf den Kopf. Es gab ein Handgemenge, wobei Groß das Opfer mit dem Strick erwürgte. Sie entwendetem dem Toten die goldene Uhr mit Kette, einen Bleistift in goldener Fassung und seinen Schlüsselbund, mit dem sie den Kassenschrank im Büro öffneten. Sie fanden nur 850 Mark. Wenig später wurde die Leiche entdeckt. Schon am Nachmittag verkündete eine Bekanntmachung an Litfaßsäulen und Aushängen das grausige geschehen: "1000 Mark Belohnung! Der 52jährige Kaufmann Hermann Lichtenstein, Inhaber der Pianoforte-Handlung und Leihanstalt, ist heute Mittag, 12.30 Uhr, in seinen Geschäftsräumen, Zeil 69, ermordet und beraubt worden. Den Tätern ist eine größere Summe Bargeld in die Hände gefallen. Für die Ermittlung der Täter ist obige Belohnung ausgesetzt."
Die Erregung schlug hohe Wellen. Sie findet in einem Zeitungsbericht folgenden Niederschlag: "Hunderte gingen in den Minuten des Mordes an dem Haus vorbei. Dutzende arbeiteten oder waren in seinen Räumen. Und dennoch konnte es geschehen. Aber die Sicherheit im Herzen der Großstadt ist am hellen, lichten Tag nicht größer als im Stadtwald. Es war wie ein Mord auf offenem Markt."

DER PROZESS
Lichtensteins Gehilfe Anton Schick gab den entscheidenden Hinweis zu Protokoll, daß sein Chef von einem früheren Möbelträger Groß erzählt habe, der mit einem Gastwirt aus Offenbach zwecks Klavierkauf in der Mittagsstunde bei ihm gewesen sei. Bruno Groß trat in dieser Zwangslage die Flucht nach vorne an und begab sich ins Polizeipräsidium, um sich zu rechtfertigen. Das mißlang. Die Großfahndung nach Stafforst erwischte diesen schon nach einen Wochen in Hamburg, wohin er sich als Kutscher abgesetzt hatte. Man fand bei ihm die gestohlenen Wertgegenstände des Ermordeten. Unter der Last dieses Beweismaterials gestand Stafforst, den Klavierhändler auf Anstiftung von Groß mit einem Gewichtstein auf den Kopf geschlagen und beraubt zu haben.
Man brachte ihn nach Frankfurt. Aber auch bei der Gegenüberstellung mit ihm leugnete Groß kaltblütig jede Mitbeteiligung. Beide wurden des Raubmordes angeklagt und standen bald vor dem Schwurgericht in Frankfurt. Während der geständige Stafforst, der auf ihn wartende Strafe sich bewußt, einen völlig gebrochenen Eindruck machte, blieb Groß eisig ohne jegliche menschliche Rührung bei der dreitägigen Verhandlung. Einwandfrei der Tat überführt wurde er durch den Gerichtschemiker Dr. Popp. Dieser Sachverständigte hatte einen blutigen Fingerabdruck am Umlegkragen des Ermordeten Lichtenstein, dessen Tod durch Erwürgen eintrat, untersucht und die gleichen Papillarlinien wie am rechten Ringfinger von Groß festgestellt. Dies was das erste Auftreten des später so berühmt gewordenen Gerichtschemikers Dr. Popp und wohl auch einer der ersten wissenschaftlichen Indizbeweise der damals noch sehr jungen Daktyloskopie. Am 15. Mai 1904 wurde das Urteil gefällt, Groß und Stafforst wegen gemeinsamen Raubmordes zum Tode verurteilt und ins Gefängnis nach Preungesheim gebracht. Der Kaiser lehnte ihr Gnadengesuch ab. Ihre Enthauptung ist dort am 12. November 1904 in Gegenwart von 12 Preungesheimer Bürgern als Zeugen von Scharfrichter Engelhard aus Magdeburg vollzogen worden. Man begrub die gerichteten Mörder in einer Ecke des Gemeindefriedhofes.

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Danke an Herrn Dieter Georg, Frankfurt am Main für die tatkräftige Unterstützung.

 

Autorin des Buches über den Mord an H. Lichtenstein: "Die Farbe von Kristall" http://www.nikola-hahn.de

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