pfeil btn li 33x33  zurück..

Rede von Philipp Holzmann, Königl. Baurat (1836-1904)
zum 80. Geburtstag der Mutter Elisabethe Holzmann, geb. Laux

text rede holzmann 1894 900
holzmann elisabethe 1814 1904s btn nix 10x10

Elisabethe Holzmann, geb. Laux (05.09.1814 - 16.11.1904)

verheiratet mit dem Bauunternehmer

Johann Philipp Holzmann (22.04.1805 - 15.02.1870)

Der Großvater starb schon 1818 [lt. Kirchenbuch 1817], als mein Vater 13 Jahre alt war. Mit seinem 14. Jahre kam derselbe aus der Schule und betrieb mit seiner Mutter die Mühle. Er fing alsbald an, die Mühle zu erweitern, richtete einen zweiten Mahlgang ein und baute ein Sägewerk und vergrößerte den Wasserweiher. Das Wasser lief in einer offenen Rinne vom Weiher nach dem Wasserrad. Der Bürgermeister Kiefer in Sprendlingen war seiner Mutter als Vormund beigegeben. Da wurde der Galgen in den Galgen kaufen zu dürfen, um mit den Quadern desselben seinen Mühlgraben zu überwölben. Der Vormund war entsetzt über die Idee, den Galgen zu erwerben und meinte, es würde kein Mensch mehr mit ihm verkehren, gab aber schließlich nach, und der Galgen wurde für wenig Geld erstanden. Derselbe bestehend aus drei Steinpfeilern, worauf eine schwere Holzplatte ruhte. Die Holzpfette war zum Schutz gegen die Witterung mit Blei abgedeckt, dafür hat mein Vater über fl. I00,- gelöst.

Die Steine wurden abgebrochen und auf die Kreuzmühle transportiert. Im Fundament wurde ein Steingefach gefunden mit drei Flaschen Wein und einer zinnernen Gedenktafel von dem Gräflich Isenburgischen Haus, welches den Galgen errichten ließ. Nach Jahren machte mein Vater größere Holzgeschäfte mit dem Grafen von Isenburg und wollte demselben die zinnerne Gedenktafel verehren. Er fragte die Mutter: wo ist die Gedenktafel?, Dieselbe sagte: "Die habe ich nach Frankfurt getragen und ein zinnernes Licht dafür eingetauscht."
Wie ihr gehört habt, ist mein Vater von Anbeginn ein unternehmender, unruhiger Geist gewesen. Der Bürgermeister hat daher auch Anstand genommen, ihm seine Tochter zu geben mit den Worten: "Der Kreuzmüller baut zu viel", Sie haben sich aber doch gekriegt, und 1833 war die Hochzeit. Unser Geburtstagskind kam auf die Kreuzmühle und lebte noch sechs Jahre mit ihrer Schwiegermutter zusammen. Mein Vater hat den Holzhandel immer mehr ausgedehnt und mit Meyer& Lind in Frankfurt viele Geschäfte gemacht. Dieselben hatten ihren Lagerplatz vor dem Obermaintor, das Plattenlager von Rübenach und den gegenüberliegenden jetzigen Lönhold'schen Häusern.
Das größte Geschäft war die Schwellenanlieferung an die Taunusbahn 1840, das fiel gut aus und wurde in Gemeinschaft mit Meyer & Lind gemacht. Bei der Teilung des Gewinnes sagten Meyer & Lind: "Wir sind zwei" ,uns gehören zwei Drittel und Holzmann nur ein Drittel,. Ein schriftlicher Vertrag war nicht gemacht und mein Vater mußte sich diese Teilung gefallen lassen. In dieser Zeit kaufte Rothschild die Günthersburg, welche eine Dampfmühle war und dem Rat Beil gehörte. Mein Vater wollte die Dampfmaschine erwerben und seine Holzschneiderei damit vergrößern, teilte dies Meyer & Lind mit, welche meinten: "Wir wollen das Geschäft mitmachen und auch die Mühle erwerben und nach Sprendlingen stellen". Daher wurde im Anfang der 40er Jahre die Mühle auf der Günthersburg gekauft und für Rechnung Meyer & Lind & Holzmann auf der Kreuzmühle neu erbaut. Die Mühle war sehr gut gebaut und lieferte sehr feines Mehl; aber die Kohlen und die Frucht mussten von Frankfurt nach Sprendlingen gefahren werden und das Mehl wieder nach Frankfurt. Die Dampfmaschine verlangte zu viel Kohlen. Gleich bei Beginn des Geschäftes hatten sie Pech mit einer Lieferung von Mehl an die Garnison in Darmstadt für mehrere Jahre, während welcher das Korn um das Doppelte aufschlug. Dem Geburtstagskind hatte der Detailverkauf des Mehls viel Freude beim Einnehmen der Mehlkreuzer gedacht. Es war halt ein unrentables Unternehmen, aber diesmal hatten Meyer & Lind auch zwei Teile und Holzmann nur einen Teil am Verlust. Da kam Mitte der 40er Jahre der Bau der MainNeckar-Bahn, woran sich mein Vater als Unternehmer beteiligt und gute Geschäfte machte, aber was verdient wurde, verschlang die Mühle.
1849 machte mein Vater Meyer & Lind den Vorschlag, er wolle aus der Firma ausscheiden mit Verzicht auf seinen Anteil am Vermögen, ging aber mit leeren Händen heraus.
Meyer & Lind dachten ein gutes Geschäft zu machen, die Mühle ging noch ein paar Jahre und wurde dann aus Mangel an Geld stillgelegt. Meine Eltern zogen 1849 von der Kreuzmühle nach Sprendlingen in das Haus meines Onkels Herbert und der letztere als Betriebsleiter auf die Kreuzmühle. Die nächsten Jahre hat mein Vater die Hanauer Bahn und Teile der Main-Weser-Bahn gebaut. 1849 wird also die Jahreszahl der Gründung des Geschäftes sein. Die Mutter wohnte in Sprendlingen, der Vater war immer auswärts unterwegs und hatte dabei gute Geschäfte gemacht. 1852 wurde eine größere Arbeit im Spessart an der Rampe von dem Tunnel übernommen, wobei die Familie auf der Arbeitsstelle selbst oben auf dem Berge Wohnung nahm. Ich war mit meinem Bruder Wilhelm in Darmstadt, seine Schwester Sannchen in Friedrichsdorf und meine Schwester Marie in Götzenhain in Pension, Kathinka und Elise waren mir im Spessart. Menschen und 100 Pferde haben alle unter einem Dach gewohnt, die Mutter hat für alle Aufseher und Knechte gekocht, der Betrieb ging Tag und Nacht, das war wohl die höchste Leistung unseres Geburtstagskindes. Nachdem sie drei Jahre im Spessart gewohnt hatten, zogen sie nach Hanau in die Vorstadt bei Zenner und bauten die Bahn Hanau-Aschaffenburg, das war 1855. Dann wurde die Holzschneiderei in Frankfurt gebaut und ein kleines Wohnhaus dabei, und meine Eltern zogen nach Frankfurt über.
Ende 1848 brannte die Fabrik ab, und meine Eltern zogen an die schöne Aussicht. 1859 Bau der Homburger Bahn. 1860 wurde der Hafenbau in Oberlahnstein übernommen. Ich verheiratete mich mit Eleonore Elisabeth Bastert, und meine Eltern und wir zogen nach Oberlahnstein. 1863 zogen meine Eltern wieder nach Frankfurt vor das Obermainthor in das Wecker'sche Haus. Dann wurde die heutige Fabrik erbaut. Ende 1864 fühlte sich mein Vater sehr unwohl und drang darauf, dass ich mit meinem Bruder das Geschäft am 1. Januar 1865 übernehmen sollte mit einer Teilung unter den Lebenden. Das Haus auf der Zeil hat mein Vater behalten und zog mit seiner Familie da hinein. Mein Vater hat roch bis 1870 gelebt, das waren nicht die angenehmsten Stunden meiner Mutter. Uns Brüdern ging es anfänglich auch schlecht, und da hat er auch immer gespart und war nur bestrebt, uns mit Geld zu unterstützen. Katinka war schon beim Tode meines Vaters leidend, ging nach Görbersdorf, und die Mutter war beinahe ein Jahr bei ihr in Görbersdorf, bis sie 1871 starb. Dann zogen sie und Laura in die Rückertsrraße neben uns.
1874-1879 wohnten wir in der Leerbachstraße 27, während dieser zeit hat die Mutter in der Rückertstraße gewohnt. Dann zogen wir hierher ans Untermainkai und die Mutter mit uns in das Haus, in dem sie heute noch wohnt.

Quelle: Manfred Pohl; Philipp Holzmann, Geschichte eine Bauunternehmens 1849-1999, Seite 17

 
1 linie gruen 900
 
© Fester, 2018